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Weshalb ich keine „Modelle“ mehr fotografiere

Liebe Leute,
beim Titel des heutigen Artikels geht der geneigte Leser ganz recht in der Annahme, wenn er vermutet, dass ich ein wenig provozieren möchte. Regelmäßige Besucher meines Blogs werden vielleicht festgestellt haben, dass es bei mir kaum noch Veröffentlichungen gibt, in denen weibliche oder männliche Modelle eine Rolle spielen. Warum das so ist? Ich kläre auf:

Sicher hört es sich überraschend an, wenn ich als People-Fotograf sage, dass ich keine Modelle mehr fotografiere. Mittlerweile habe ich es aber einfach satt, völlig sinnentleerte „Model-Bilder“ gemäß dem Motto „Schöner Mensch plus Raum plus Licht = fertiges Foto“ zu produzieren.

Janina

Die meisten unter euch sind wahrscheinlich ähnlich oft auf Facebook unterwegs wie ich. Ich liege auch sicher nicht ganz falsch mit der Annahme, dass ihr vor allem Profile oder Seiten anderer Fotografen verfolgt. Und was seht ihr da circa achthundertdreiundvierzig Mal am Tag? Genau: Model-Bilder – ohne jeden Sinn…

Seid mal ehrlich zu euch selbst: welche Art von Fotos bleiben euch im Gedächtnis haften? Eher nicht jene, auf denen irgendeine Person ohne jeglichen Bezug zu einer Idee oder Story posiert. Ich erwarte nicht, dass jedes Foto gleich eine Geschichte erzählen muss, aber es darf schon ein klein wenig Inhalt besitzen.

Vielleicht verstehe ich das alles auch nur falsch und es kann mir jemand schlüssig erklären, wozu man zum Beispiel ein weibliches Model in Dessous und High Heels in erotischer Pose mitten im Wald knipst. Ergibt das irgendeinen Sinn? Was will uns der Künstler damit sagen? Drei mögliche Erklärungen fallen mir dazu ein:

1. Boah, ich bin ein geiler Fotograf, weil ich einen Arsch voll Technik besitze und damit sogar in der freien Natur protzen kann.
2. Hey, das Model sieht viel besser aus als meine Alte zuhause – also gefälligst runter mit den überflüssigen Klamotten (hechel – knips – hechel…)
3. Alter, wenn ich schon so viel Kohle in die Technik investiert habe, muss wenigstens das Model billig aussehen!

Zugegeben, mir würde noch viel mehr dazu einfallen, aber ich will ja nicht langweilig sein. Ich bin schlicht der Bilder überdrüssig, auf denen sich irgend ein junges Mädel in seltsam-verbogener Pose räkelt. Versteht mich nicht falsch – ich bin weder Moralapostel noch Tugendwächter. Schließlich habe ich während meiner Zeit als Hobbyfotograf selbst lange genug solche Fotos produziert. Einige davon mag ich auch heute noch. Zudem ist natürlich auch nicht alles Mist, was man in diesem Bereich tagtäglich sieht, sondern es sind unter dem ganzen Massenschrott regelmäßig auch wirklich gelungene Bilder darunter.

Außerdem sollte man bekanntlich niemals nie sagen. Falls mich die Muse küssen und mir eine gute Idee in den Sinn kommen sollte, werde ich bestimmt auch mal wieder ein Model fotografieren. Versprochen! Falls nicht, dann aber garantiert auch wirklich nicht. Denn aus Langeweile oder nur weil mir eine Location gefällt bzw. ich ein Model für fotografierenswert halte, werde ich es definitiv nicht mehr tun.

Verzeiht mir meine kleinen Frechheiten, die ich mir in diesem Blogpost erlaube. Ich hoffe, der Artikel regt einfach ein wenig an, bereits im Vorfeld über das eine oder andere ganz spontan vereinbarte Shooting etwas länger nachzudenken und nicht einfach drauflos zu ballern, nur weil sich gerade ein gutaussehendes Model gemeldet hat und das Wetter schön ist.

In diesem Sinne – allzeit gutes Licht!

😀

 

Comments(59)

  • 9. November 2014, 15:41  Antworten

    Kunst hat eben unterschiedliche Ebenen. Klar, sie kann Geschichten erzähle. Sie kann provozieren. Sie kann aber zum Beispiel einfach nur schön sein.

    Für mich ist weniger das Problem, was fotografiert wird, sondern was gezeigt wird. Und ich wundere mich immer wieder, weshalb bei Facebook, MK und FC völlig banale Fotos bejubelt und hochgelobt werden. Ich schaue mir die dann häufig an und sage mir: Ordentliche fotografiert – aber langweilig.

    Nachfrage an Wolfgang Armbruster: Beziehst du deine Aussage auf „Modelle“, also auf Lebewesen, die für Geld oder einen anderen finanziellen Vorteil sich vor die Kamera eines Fotografen stellen? Oder auch auf „Modelle“, also Individuen, die sich von einem Fotografen (in irgendeiner Weise) porträtieren lassen und dabei mehr als das Gesicht zeigen?

    Jens

  • 11. November 2014, 16:24  Antworten

    Interessanter Artikel, der Ansatz ist mir nicht neu und auch der Gedanke daran ist mir überhaupt nicht fremd. Ich habe auch anfangs „solche“ Bilder produziert. Aber dennoch denke ich, dass nicht jedes Bild in dem der Mensch im Vordergrund steht, auch wenn er oder sie extra posiert, ein Bild ist, dass nichts aussagt. Manchmal verstehen wir es vielleicht einfach nur nicht. Es gibt genügend Bilder die wirklich aus dem Zwang heraus entstehen „irgendwen hübsches irgendwo zu fotografieren“ aber vielleicht stempeln wir manchmal auch zu schnell Bilder in diese Kategorie ab. Auch aus meinem eigenen Portfolio würden sicher Bilder in diese Kategorie eingeordnet werden ( http://positiviphy.wordpress.com/portfolio/355/ ) Dabei ist keines dieser Bilder „einfach so ohne Sinn“ entstanden – jedenfalls nicht für mich.
    Es ist aber ein großes Glück, dass grade Blogs einem als Fotograf die Möglichkeit geben, zu erläutern, was die Idee hinter einem Bild gewesen ist 🙂

    Vielen Dank für den Artikel!

  • 12. November 2014, 11:06  Antworten

    Ja, das sehe ich auch. Spannend wäre es jetzt mal zu erfahren in welche Richtung deine Reise nun gehen soll? Es geht doch im Grunde um Menschenfotografie,.. und „Models“ sind ja bekanntlich auch Menschen… 😉 Letztendlich geht es beim Fotografen und beim fotografieren (und auch bei dem Menschen vor der Kamera) nur um das Gespür, und den Moment den es einzufangen gilt. Dann kannst Du auch mit Models „andere“ Fotos machen. Vor allem kann man auch mit Models darüber reden was einem wichtig ist, und gemeinsam versuchen das zu erreichen. Ich finde alles hat seinen Platz. 🙂 Ich selber fotografiere nur „normale“ Menschen… manch bezeichnen sich auch als Models, aber das macht mir nix 🙂

  • Blendwerk
    12. November 2014, 21:35  Antworten

    Hallo Carsten,
    im zweiten Artikel http://www.blendwerk-freiburg.de/2014/11/weshalb-ich-keine-modelle-mehr-fotografiere-vol2/ habe ich ja geschrieben, dass ich durchaus auch mal wieder Modelle fotografieren werde, aber eben nur dann, wenn Idee und Inhalt für mich passen. Menschen zu fotografieren wird auch weiterhin mein Schwerpunkt bleiben.

  • 17. November 2014, 16:44  Antworten

    Sehr guter Artikel !!!
    Dem gibt es wennig hinzuzufügen. Jedoch stellt sich unweigerlich die Frage welche Art von Werbung macht Sinn ?

  • 17. November 2014, 17:17  Antworten

    „Welche Art von Werbung hat Sinn?“ –
    Aus Fotografensicht ist die Antwort ganz einfach: die, die beauftragt und bezahlt wird! 🙂

    Viele Grüße
    Christian

  • 27. November 2014, 13:05  Antworten

    Facebook ist ein Massenmedium, natürlich bekommst du da auch einen Massengeschmack serviert.

    Genaugenommen prangerst du die menschliche Natur an.
    „Sex Sells“ ist ein Gesetz der Werbeindustrie.
    Willst du einem Schufabrikanten vorwerfen, dass er Modelle nimmt, die nichts ausser seinen Schuhe trage, wenn sich das ganze gut verkauft?
    Der tiefere Sinn ist nur Aufmerksamkeit erzeugen.

    Zugegeben ich bin nicht so viel auf Facebook unterwegs, aber das Menschen
    (Fotografen & Modelle) auf Facebook Aufmerksamkeit durch sexy Fotos bekommen wollen kann ich niemanden vorwerfen.

    Wenn es geklickt wird, wird es veröffentlicht.

    Mich langweilen viele Fotos auch. Aber einem ganzen Genre abschwören?
    Genausogut kann man von Foodphotography, Streetphotography oder Makrofotografie gelangweilt werden! Da gelten auch die selben regeln und man sieht die selben Fotos Hundertfach.

    Tipp: Weniger bei Facbook surfen, sondern sich einen Bildband von Sebastiao Salgado ansehen! Alternativ schau dir das „Salz der Erde an.“ Hat nichts mit „Model“ Fotografie zu tun aber zeigt geniale People Fotografie!!!

    Schöner Artikel Gratulation zur Provokation und dem Klick Erfolg!

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