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Leserfrage: Wie leite ich ein Newcomer-Model an?

Werte Blogleser,
heute geht es in die nächste Runde meiner Beantwortung von Leserfragen. Dieses Mal greife ich eine Frage auf, die mir Helmut Minten gestellt hat.

Leserfrage

Wie leite ich ein Newcomer-Model an? Baue ich ein Posing auf oder habe ich ein paar Posings, die ich nacheinander “durchspiele”?


Lieber Helmut,
den heißesten Tipp, den ich dir zur Beantwortung deiner Frage geben kann, lautet: kauf dir mein Buch 🙂

Meine Antwort klingt vielleicht etwas schlicht – sorry. Tatsächlich wirst du darin aber unzählige Hinweise zum Thema Modelposing finden. In etwas abgespecktem Umfang möchte ich dir dennoch ein paar Tipps geben.

Du möchtest wissen, ob es besser ist, eine Pose aufzubauen oder mehrere Posings durchzuspielen. Soviel sei gesagt: beides ist möglich und hat Vor-, aber auch Nachteile.

Du kannst mit einem Modell so lange an einer bestimmten Pose arbeiten bis sie sitzt bzw. bis sie deinen Vorstellungen entspricht, aber ein gewisses Risiko sehe ich darin, wenn es sich, wie von dir ja erwähnt, um ein Newcomer-Model handelt. Dessen Geduld solltest du besser nicht überstrapazieren. Stell dir vor, du arbeitest mit dem Modell mehrere Minuten an einer bestimmten Pose. Was wird wohl passieren? Das Modell wird zunehmend frustriert sein, weil es das Gefühl entwickelt, es nicht zu hinzukriegen. Falls es sich um eine anstrengende Pose handelt (und das sind Modelposen meistens), wirst du außerdem damit erreichen, dass das Modell an Körperspannung und Energie verliert. Auch nicht gut. Und warum dauert es so lange bis die Pose einigermaßen passt? Vielleicht drückst du dich nicht verständlich genug aus oder du bist so auf diese eine Pose fixiert, dass du zu wenig Variationsmöglichkeiten zulässt. Der Effekt ist, dass das Modell allmählich die Lust verliert. Genau das wird sich in den Fotos widerspiegeln, sei es im Ausdruck oder in der Pose selbst. Bitte nicht falsch verstehen – ich unterstelle dir natürlich nicht, dass du das so machst. Du solltest auf jeden Fall sensibel auf die Signale des Modells achten, daraus deine Schlüsse ziehen und entsprechend handeln.

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Konzentriert eine Pose aufzubauen kann aber auch eine richtig gute Idee sein. Wenn du zum Beispiel mit Bildideen und Vorlagen aus dem Internet oder aus Magazinen arbeitest, kannst du dem Modell hilfreiche Hinweise geben, wie es den Kopf halten, die Hände platzieren oder die Beine stellen soll. Insbesondere bei einem Modell, das gerade erst anfängt, kann das Wunder wirken. So muss es keine Angst haben, die Erwartungen vielleicht nicht erfüllen zu können, weil es keine 50 verschiedenen Posen parat hat. Das Modell kann sich an den Vorgaben orientieren, wird sich im Lauf des Shootings immer sicherer fühlen und ist vielleicht sogar am Schluss in der Lage, selbst Posen vorzuschlagen.

Du siehst also, dass das Aufbauen einer Pose sowohl zum Gelingen eines Shootings beitragen als auch dafür sorgen kann, es ordentlich zu versemmeln.

Alternativ dazu kannst du selbstverständlich auch mehrere unterschiedliche Posen nacheinander durchspielen – in der Hoffnung, dass schon was dabei sein wird, was gut aussieht. Was aber, wenn nicht? Weiter mit den nächsten 10 Posen? Wenn es nach so vielen Versuchen noch nicht funktioniert, rate ich dir, nach ein oder zwei Stunden das Shooting zu beenden. Und zwar mit der persönlichen Feststellung, dass dein Gegenüber einfach kein Model ist. Verabschiede dich freundlich von der Person und gib ihr mit auf den Weg, sich für eventuelle künftige Shootings besser vorzubereiten. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und manchen Modellen hilft es, wenn sie zum Beispiel zu Hause ihr Posing vor dem Spiegel trainieren. Es wird aber auch immer Menschen geben, die sich gerne als Modell sehen würden, es aber nie sein werden. Als Fotografen sollten wir nicht so tun als ob, sondern ehrlich mit den Leuten umgehen. Bevor ich weiter abschweife: grundsätzlich ist es natürlich gut, wenn du ein Repertoire an Posen im Kopf hast, die du anweisen bzw. anleiten kannst. Je präziser du die Posen kommunizierst, desto besser wird das Modell sie umsetzen können.

Es gibt also kein Patentrezept, wie du bei Newcomer-Modellen mit Posings umgehen solltest. Ebensowenig Garantien, dass bestimmte Herangehensweisen auf jeden Fall funktionieren. Die Chance, dass das Shooting gelingt und du gute Ergebnisse bekommst, erhöhst du aber deutlich, wenn du für eine angenehme Atmosphäre sorgst, die dazu beiträgt, dem Modell die Scheu zu nehmen. Sei zuvorkommend im Umgang und klar in der Kommunikation. Respektiere dein Gegenüber und überschreite nie persönliche Grenzen. Hab Spaß an dem, was du tust und zeige es!

 

Comments(1)

  • hawi
    13. März 2014, 22:41  Antworten

    Hallo und guten Abend,

    ich kann das Buch auch nur empfehlen! Gerade für die oben gestellte Frage ist es ein wertvolles Werk, klar und verständlich geschrieben.

    Auch diese Zeilen sind klar, deutlich und auf den Punkt gebracht, toll gemacht Wolfgang!
    Auch deshalb lese ich gerne Deinen Blog!

    LG,
    Hansjörg

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