Auswertung der Marktumfrage für Fotografen in Freiburg und Südbaden

Vor etwa einem Monat startete ich unter Fotografen im Raum Freiburg und Südbaden eine kleine Umfrage. 29 Kollegen und Kolleginnen haben sich beteiligt. Um wirklich repräsentative Ergebnisse zu erhalten, hätten es etwas mehr sein müssen. Die Antworten bilden deshalb sicher nur einen Teil des Fotografenmarktes ab. Dennoch sind sie ziemlich interessant und mitunter durchaus erstaunlich.
Bild Canon 5D

Die 10 Fragen und die Antworten der Fotografen

 
Um die Umfrage überschaubar zu gestalten, hatte ich mir ein paar einfache, aber knackige Fragen überlegt. Herzlichen Dank an alle, die sich die Mühe gemacht haben, uns ihre kostbare Zeit zu schenken und an der Umfrage teilzunehmen, die sicherlich für viele Interessierte ein paar erhellende Erkenntnisse bringt.
1. Fotografierst du haupt- oder nebenberuflich?
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Von 29 teilnehmenden Fotografen arbeiten 17 nebenberuflich und 12 hauptberuflich. Nebenberuflich tätige Fotografen waren bei der Umfrage also ein wenig stärker vertreten als reine Berufsfotografen. Da der Markt für Fotografen insgesamt recht eng ist, scheint es nicht weiter verwunderlich zu sein, dass eine Mehrzahl der Fotografen noch einen Hauptberuf ausübt und sich damit ihren Lebensunterhalt sichert. Wie hoch der Anteil der Nebentätigkeit am Gesamteinkommen ist, bleibt dabei natürlich offen.
2. Seit wievielen Jahren bist du als Fotograf haupt- oder nebenberuflich tätig?

Knapp zwei Drittel der Fotografen üben ihre berufliche Tätigkeit seit höchstens fünf Jahren aus. Das zeigt, dass der Fotografenmarkt nach wie vor sehr jung ist. Altgediente Haudegen mit mehr als 10 Jahren Berufserfahrung gibt es nur wenige, nämlich etwa 10%.
3. Für welche Branchen und Kunden arbeitest du hauptsächlich?
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Bei der Frage nach den Branchen und Kunden waren Mehrfachnennungen möglich. Deutlich wurde dabei, dass die Zielgruppen der Fotografen generell sehr breit gestreut sind. Die Tatsache, dass drei Viertel der Fotografen unter anderem auch für Privatkunden tätig sind, mag auf den ersten Blick erstaunen, da dieser Sektor in finanzieller Hinsicht etwas schwierig ist. Allerdings ist davon auszugehen, dass der überwiegende Teil der Privatkunden bei haupt- und nebenberuflich tätigen Fotografen aus Hochzeitspaaren besteht. Und diese sind in der Regel eher bereit, einen Fotografen angemessen zu entlohnen.
4. Wie hoch ist dein durchschnittlicher Netto-Stundensatz für Fotografie
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Jetzt geht´s ans Eingemachte, denn die Antworten zu der Frage, was ein Fotograf in der Region für seine Tätigkeit eigentlich verlangt, fallen extrem unterschiedlich aus. Bei den hauptberuflich tätigen Fotografen bewegt sich die Spanne der Stundensätze zwischen 80 und mehr als 160 Euro. Der überwiegende Anteil liegt zwischen 120 und 140 Euro. Wie sich ein Stundensatz unter 100 Euro rechnen soll, bleibt mir schleierhaft. Umso schöner ist es, dass der Markt offensichtlich auch Stundensätze von über 160 Euro hergibt.
Bei den Nebenberuflern ergibt sich ein etwas anderes Bild. Hier bewegen sich die Stundensätze sage und schreibe zwischen 20 und 160 Euro! Die Mehrheit liegt zwischen 60 und 100 Euro. Unter den nebenberuflich tätigen Fotografen sind also einige, die für einen Hungerlohn arbeiten. Angewiesen ist die Gruppe der Nebenberufler auf eine angemessene Entlohnung natürlich nicht zwingend, da sie bereits mit ihrem Hauptberuf ihre Brötchen bezahlen kann. Selbstverständlich gilt unter marktwirtschaftlichen Aspekten auch für alle Fotografen die Tatsache, dass jeder seine Preise festlegen kann, wie er möchte. Die Frage allerdings, wie diese enormen Unterschiede zustande kommen, ist durchaus berechtigt.
5. Wie hoch ist dein durchschnittlicher Netto-Stundensatz für Post-Produktion
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Ein nicht unwesentlicher Teil in der Preiskalkulation eines Fotografen ist die Bildbearbeitung und alle weiteren Zusatzleistungen rund um einen Kundenauftrag. Die Ergebnisse der Umfrage könnten unterschiedlicher nicht sein. So gibt es auf der einen Seite Berufsfotografen, die ihre Post-Produktion für einen Stundensatz zwischen 20 und 40 Euro berechnen und auf der anderen Seite Nebenberufler, die mehr als 160 Euro pro Stunde aufrufen. Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger kann ich mir diese extreme Differenz erklären. Deshalb bleibt dieses Ergebnis unkommentiert. Die Mehrheit – unabhängig ob haupt- oder nebenberuflich tätiger Fotograf – liegt zwischen 60 und 100 Euro.
6. Die Auftragslage im Jahr 2016 war:

Mehr als die Hälfte der befragten Fotografen empfand ihre Auftragslage im vergangenen Jahr als gut bis sehr gut. Bei nur 10% war sie schlecht. Interessant ist hierbei, dass gerade diejenigen mit einem extrem günstigen Stundensatz eine schlechte Auftragslage hatten. Stehen Kunden einem Stundensatz zwischen 20 und 40 Euro vielleicht etwa doch eher skeptisch gegenüber, indem sie sich fragen, ob ein Fotograf wirklich in der Lage ist, gute Arbeit für so wenig Geld abzuliefern?
7. Wie schätzt du deine aktuelle Auftragslage ein?
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Die aktuelle Auftragslage scheint insgesamt etwas weniger gut zu sein als im Jahr 2016. Dies betrifft haupt- und nebenberuflich tätige Fotografen gleichermaßen. Allerdings ist weiterhin eine Mehrheit mit ihrer derzeitigen wirtschaftlichen Lage zufrieden.
8. Meine Erwartungen für das Jahr 2017 sind:
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Auch für 2017 erwarten die meisten Fotografen keine großen Veränderungen. Die Auftragslage wird, nach den Umfrageergebnissen zu urteilen, für knapp 70% nach wie vor gut bis sehr gut sein. Nur zwei Fotografen sehen die kommenden Monate eher pessimistisch.
9. Neukunden gewinne ich überwiegend durch:
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Eine gute Suchmaschinenplatzierung und das Schalten von Online-Anzeigen sind offensichtlich nicht unbedingt das Mittel der Wahl, um sich als Fotograf zu positionieren. Der überwiegende Teil der Fotografen baut eher auf Weiterempfehlungen durch zufriedene Kunden und auf die eigene Präsenz in Social-Media-Kanälen.
10. Bietest du neben der reinen Fotografie noch andere Dienstleistungen?
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Knapp die Hälfte der Fotografen bietet neben der reinen Fotografie noch weitere Dienstleistungen an. Hier waren ebenfalls Mehrfachnennungen möglich. Auffallend ist dabei, dass Webdesign ein gängiges Zusatzangebot zu sein scheint. Selbst in Zeiten, in denen die Bereiche Fotografie und Film immer mehr verschmelzen, bieten noch relativ wenige Kollegen und Kolleginnen entsprechende Dienstleistungen an. Für den Einsatz von Drohnen sehen die Ergebnisse ähnlich aus. Mit Fotografie allein werden also nicht alle satt. Insbesondere diejenigen mit darüber hinausgehenden Kompetenzen nutzen diese, um ihre Angebotspalette zu erweitern.

FAZIT

Die Erkenntnisse aus der Umfrage zum Fotografenmarkt im Raum Freiburg und Südbaden ergeben kein einheitliches Bild und sind deshalb sehr differenziert zu betrachten. Die Unterschiede zwischen nebenberuflich und hauptberuflich tätigen Fotografen sind deutlich, insbesondere in Bezug auf die Preise, die für die jeweilige Leistung verlangt wird. Dass es für Berufsfotografen dennoch kein Grund zum jammern und schimpfen über die Nebenberufler gibt, die ihre Leistungen zum Teil sehr günstig anbieten (können), zeigt die Auswertung der aktuellen und zu erwartenden Auftragslage, die klar verdeutlicht, dass für jedes Preisniveau ein eigener Markt zu existieren scheint. Trotzdem wäre es sicher sinnvoll, wenn sich einige nebenberuflich arbeitende Fotografen ein wenig mehr an den üblichen Marktpreisen orientieren würden – allein schon aus dem Grund, weil sich angemessene Bezahlung für ordentliche Leistung einfach besser anfühlt.

Orientierungshilfe für Stundensätze

Aus den Angaben der Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Umfrage ergeben sich folgende durchschnittliche Netto-Stundensätze:
Fotografen im Hauptberuf
Fotografie: 125 Euro
Post-Produktion: 75 Euro
Fotografen im Nebenberuf
Fotografie: 90 Euro
Post-Produktion: 70 Euro
Vielen Dank an alle, die bis hierhin durchgehalten haben. Ich hoffe, dass meine Umfrage ein wenig dabei hilft, den Markt sowohl für Fotografen als auch für potentielle Kunden transparenter zu gestalten. In diesem Sinne – bis demnächst…